Damit Arbeit nicht krank macht

HR Today

Gesundheitsschutz ist mehr als ein ergonomischer Stuhl und ein Früchtekorb. Er erkennt und verhindert Belastungen, bevor sie zur Gefahr werden. In der Temporärarbeit braucht es dafür ein Zusammenspiel von Personaldienstleister, Einsatzbetrieb und Temporärarbeitenden. Eine Branchenlösung hilft mit Struktur und Werkzeugen.

Stress bei der Arbeit kostet die Schweizer Wirtschaft jedes Jahr Milliarden. Fast ein Drittel der Schweizer Erwerbstätigen erlebt eine hohe psychische Belastung am Arbeitsplatz. Über 30 Prozent fühlen sich emotional erschöpft1.

Doch Stress ist nur eine von vielen Belastungen, die krank machen können. Auch Lärm, schlechte ergonomische Bedingungen oder fehlende Pausen hinterlassen Spuren.

Der Gesundheitsschutz hat das Ziel, solche Belastungen zu minimieren. Er soll sicherstellen, dass Menschen bei der Arbeit gesund bleiben – körperlich und mental. Idealerweise fördert er ein Umfeld, in dem sich Mitarbeitende sicher fühlen und gerne arbeiten.

Auch gesetzlich ist der Gesundheitsschutz klar geregelt: Unternehmen in der Schweiz sind verpflichtet, entsprechende Vorgaben umzusetzen2. Ob diese eingehalten werden, kontrolliert die Suva im Auftrag der Eidgenössischen Koordinationskommission für Arbeitssicherheit EKAS – unter anderem durch Betriebsbesuche.

Was gehört zum Gesundheitsschutz?

Der betriebliche Gesundheitsschutz umfasst verschiedene Themen – von psychosozialen Risiken über Ergonomie bis hin zu Schutzvorgaben für bestimmte Personengruppen3.

Viele der Belastungen, die zu Stress im Arbeitsalltag führen, lassen sich auf sogenannte psychosoziale Risiken zurückführen. Dazu zählen beispielsweise unklare Zuständigkeiten, schlecht strukturierte Abläufe oder Konflikte im Team. Sie können auf Dauer zu Beschwerden wie Schlafproblemen, Kopf- und Rückenschmerzen bis hin zum Burn-out führen. Abhilfe schaffen hier zum Beispiel klare Rollenbeschreibungen, regelmässige Team-Feedbacks oder Weiterbildungen zu Kommunikation und Konfliktmanagement.

Auch die physische Arbeitsumgebung spielt eine wichtige Rolle. Lichtverhältnisse, Raumtemperatur, Luftqualität oder Lärmpegel beeinflussen nicht nur das Wohlbefinden, sondern auch die Gesundheit. Massnahmen wie CO2-Messungen, schallabsorbierende Materialien oder anpassbare Beleuchtungskonzepte tragen dazu bei, Belastungen zu erkennen und zu verringern.

Zur Ergonomie zählen Massnahmen wie höhenverstellbare Arbeitstische, ergonomische Stühle oder korrekt positionierte Bildschirme. Gerade bei Bildschirmarbeit kann eine schlechte Ausstattung rasch zu Beschwerden führen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt sind gesunde Arbeits- und Ruhezeiten – etwa Pausen im Arbeitsalltag, tägliche Ruhezeiten und eine Begrenzung der Wochenarbeitszeit.
Für bestimmte Personengruppen gelten zusätzliche Schutzbestimmungen. Schwangere und Stillende dürfen nur Tätigkeiten ausüben, die weder sie selbst noch das Kind gefährden. Auch für Jugendliche gelten Einschränkungen: Sie dürfen beispielsweise keine gefährlichen Maschinen bedienen und nicht in der Nacht arbeiten.

Besonderheiten in der Temporärarbeit

Gesundheitsschutz betrifft alle Unternehmen. In der Temporärarbeit braucht es dafür aber ein gut abgestimmtes Zusammenspiel von Einsatzbetrieb, Personaldienstleister und Temporärarbeitenden.

Laut Gesetz4 trägt der Einsatzbetrieb die Verantwortung für den Gesundheitsschutz der Temporärarbeitenden während des Einsatzes. Der Personaldienstleister stellt sicher, dass Temporärarbeitende über die nötigen Kompetenzen für ihren Einsatz verfügen und diesen gut informiert und vorbereitet starten. Temporärarbeitende wiederum müssen Schutzvorkehrungen einhalten, auf ihre Gesundheit achten und gesundheitliche Probleme oder Belastungen frühzeitig ansprechen.

Branchenlösung für Personaldienstleister

Zu den gesetzlichen Anforderungen gehört auch, dass Unternehmen mit 11 oder mehr Mitarbeitenden (inkl. Temporärarbeitende) oder Tätigkeiten mit besonderen Gefährdungen5 ein Sicherheitssystem umsetzen.

Damit nicht jedes Unternehmen von Grund auf ein komplettes System neu entwickeln muss, gibt es sogenannte Branchenlösungen. Diese bieten standardisierte, bewährte Konzepte und Tools, die speziell auf die typischen Risiken und Anforderungen der jeweiligen Branche zugeschnitten sind.

Die Branchenlösung für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz QAS ist auf den Personalverleih ausgerichtet. Sie stellt zum Beispiel Checklisten, Schulungen und eine digitale Plattform zur Verfügung.

Was eine Branchenlösung wie QAS in der Praxis bringt, zeigt das Beispiel des Personaldienstleisters Induserv (Nordwestschweiz) AG. Sicherheitsbeauftragter Antonino Franco sagt: «Vor der Zusammenarbeit mit QAS wussten wir zwar, was zu tun ist, doch es fehlte uns an Struktur, Werkzeugen und klaren Verantwortlichkeiten, um das effizient umzusetzen. Viele Prozesse waren dezentral organisiert und schwer nachvollziehbar. Jeder Standort hatte eigene Abläufe, Formulare und Prioritäten.»

Die Einführung von QAS habe vieles vereinfacht. «Über die digitale Plattform behalten wir jederzeit den Überblick über Schulungen, Prüfungen und Massnahmen. Das reduziert den administrativen Aufwand und verhindert, dass wir wichtige Termine übersehen.» Auch die Koordination der jährlichen Sicherheitsschulungen an verschiedenen Standorten sei deutlich einfacher geworden.

Ausserdem habe sich das Sicherheitsbewusstsein der Mitarbeitenden insgesamt verbessert, so Antonino Franco, «weil sie sehen, was läuft und welchen Beitrag sie selbst leisten können.»

Mit der richtigen Unterstützung wird Gesundheitsschutz zur gelebten Praxis. Wer ihn ernst nimmt, hat nicht nur weniger Ausfälle, sondern schafft auch ein Umfeld, in dem Menschen gerne und motiviert arbeiten – und lange bleiben wollen.

1Job-Stress-Index, 2022
2ArG Art. 6, UVG Art. 82, OR Art. 328
3Quelle: Kanton Zürich, Amt für Wirtschaft, Fachstelle Betrieblicher Gesundheitsschutz
4ArG Art. 6, OR Art. 328
5Nach EKAS-Richtlinie Nr. 6508

Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit: Was ist der Unterschied?

Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz sind eng miteinander verbunden, unterscheiden sich aber in ihren Schwerpunkten.

Die Arbeitssicherheit hat zum Ziel, Unfälle und Verletzungen zu verhindern. Sie befasst sich etwa mit sicheren Arbeitsabläufen oder Schutzausrüstung.

Der Gesundheitsschutz zielt auf die Vermeidung krank machender Einflüsse wie Stress, schlechte Ergonomie oder fehlende Pausen.

In der Praxis überschneiden sich die Bereiche häufig – zum Beispiel beim Umgang mit gefährlichen Stoffen: Einerseits sollen Unfälle oder Vergiftungen vermieden werden (Arbeitssicherheit), andererseits geht es auch um langfristige Auswirkungen etwa auf die Atemwege (Gesundheitsschutz).

 

 

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